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Geschichten

das märchen einer träumerin 
schmetterling *neuanfang - neues jahr...

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das märchen einer träumerin

es war einmal eine träumerin. im traumland war es - wie immer - gut, obwohl da draussen, im wirklichen leben dinge geschehen sind, die jana nicht begreift. das geliebte kind starb. die welt droht aus den angeln zu fallen. das leben scheint absurd geworden, die lebensfreude hängt am letzten faden. eben noch war da noch kraft, erkenntnis, das grosse ‚ja’! und dann dieser schlag ... jana liegt am boden.
    nun, im traum, findet sie sich in einem raum wieder. schön eingerichtet, in warmen farben gehalten und sehr hell, obwohl die lichtquelle nicht sichtbar, wohl aber fühlbar ist. da sind viele türen! unverschlossene.
   wo die nur alle hinführen mochten? was sich wohl hinter ihnen befindet? plötzlich steht eine kleine elfe vor ihr, die sie an der hand nimmt ... 
   „komm mit!“, wispert sie ihr zu. jana erhebt sich und folgt vertrauensvoll ihrer kleinen führerin. sie gehen zur türe ganz links ... als sie sie öffnen, erwartet sie ein wunderschöner wald mit einem kleinen bach. sie folgen dem bachlauf und finden die quelle. aus ihr sprudelte frisches wasser, singt geradezu ...  mit dem gezwitscher der vögel zusammen wähnt sich jana im paradies. da ist eine wassernymphe, die ihr wasser austeilt. in beiden händen hält sie eine schale, im gleichgewicht ... jana erkennt: männlich und weiblich haben ihr eigenes gewicht und können in harmonie da sein. gleichzeitig, nebeneinander, beide ganz, sich bereichernd. - ja, genau so stellte sie sich das leben auf dieser erde - das menschliche miteinander - vor ... - als sie zurückkehren und vom raum in der mitte, den sie nun als ihr herz erkennt, die nächste türe öffnen, findet sie sich selber wieder, alleine, an einem feuer, mitten in der nacht ... den vollen mond im rücken. alle ihre wünsche im feuer wandelnd ...
     hinter jeder türe erblickt jana einen teil i
hres lebens, bewusste und unbewusste bereiche ... hinter der türe zu ihrer beruflichen perspektive wird sie mit der kraft ihres willens konfrontiert und begreift: mein wille ist gefragt ... nur was wir wirklich von herzen wollen und tun, resonniert und bringt früchte ... halbherzigkeiten führen in sackgassen! 
     als sie schlussendlich wieder in der mitte ihres herzraumes anlangt, legt sie sich dankbar wieder auf die erde nieder und spürt, wie sehr sie das neue willkommen heisst, wissend, dass sie die mitgestalterin ist, die drehbuchschreiberin und nicht einfach kulisse oder mitspielerin. doch da ist auch tiefe demut in ihr, das erkennen, dass sie die letzten dinge nicht in der hand hat. tiefer frieden macht sich in ihr breit, vertrauen!
     die flügel, eben noch zerknittert, liegen schön und offen ausgebreitet neben ihrem körper, als sie erwacht.

© by dm/Jana

schmetterling 

 prolog

tausend schmetterlinge kommen mir in den sinn... die auf dem grab, die auf dem trinkglas, die auf den vorhängen, die aus den gedichten und geschichten, die ich geschrieben habe. sogar die längst vergessen geglaubten im bauch. schmetterlinge begleiten mein leben. ich sitze auf dem sofa, denke an schmetterlinge und höre ‚queen’, es ist abend, der besuch ist gegangen und ich fühle mich gut, geborgen, getragen ... mein blick schweift hinüber zu einem bilderbuch über den werdegang eines schmetterlings: die befruchtung, das eierstadium, die geschlüpfte raupe, die sich vollfrisst, die verpuppte raupe im kokon. dann das wunder der wandlung und schliesslich schlüpft das wunderschöne tier, der schmetterling! metamorphose. verwandlung. leben – tod – leben. ewigkeit. freiheit. ach, dass kennen wir alle. ich schliesse die augen und kugele mich ein. in mir wird’s ruhig. 

das bild eines schmetterlings steigt auf, der eine schildkröte umkreist. bin schildkröte und schmetterling zugleich, schaue und höre ihnen zu:
   die schildkröte tappt erdbeerenkauend über das morgendlichfeuchte gras. es ist bald sommer. blumen auf der wiese. erste schmetterlinge flattern umher. einer landet auf schildkrötes panzer. 
   „was ist denn das?“ fragt sie mehr sich, als jemanden anderen.
   „hallo, ich heisse schildkröte,“ hört sie da unter sich die antwort auf ihre frage. „falls du gemeint hast, du seiest auf einem stein gelandet, täuschst du dich. und wenn du gemeint hast, dass ich dich nicht spüre, dann täuschst du dich noch mehr! ich habe zwar einen panzer, der mich ganz gut schützt, aber dennoch bin ich sehr empfindlich, ich spüre alles!“ murmelt schildkröte, die schon sehr lange auf dieser erde herumtappt. schmetterling, kaum ein paar tage vorher geschlüpft, hüpft auf. endlich jemand, der ihm noch ein paar dinge über das leben erzählen kann? 
   „hallo, ich heisse schmetterling!“ flüstert er begeistert. 
  „weiss ich doch...,“ murmelt die alte schildkröte, nicht unfreundlich, aber nicht bereit, sich von einem grünschnabel die welt erklären zu lassen ... 
   „ich war übrigens auch in so einem panzer drin, weisst du, und da bin ich dann, als die zeit reif war und es mir zu eng geworden ist, rausgeschlüpft ...!“ das ist nun doch was neues für schidkröte. solche nebensächlichkeiten hatten ihn nie sonderlich interessiert. 
   „was! du bist da einfach rausgeschlüpft? also, das kann ich jedenfalls nicht ... und ... ehrlich gesagt ... das will ich auch gar nicht, denn mir ist es ganz wohl in meinem panzer! wenn jemand kommt, der mir nicht passt, ziehe ich meine arme und füsse ein, sogar den kopf und dann bin ich einfach gut geschützt und niemand kann mir weh tun!“ einen moment fühlt sich schmetterling elend, weil er diesen rückzugsort, der ihm eins heimat war, für immer verlassen musste ... ja, für ihn gibt es kein zurück mehr ...
   „nun... ja, das kann ich nicht mehr....“, murmelt er, „aber... eigentlich will ich es auch gar nicht... denn wenn ich da drinnen hocke, sehe ich ja nicht, wo die blumen sind! sehe nicht wo die feinsten brennesselblätter wachsen.... sehe nicht, wo die andern schmetterlinge herumfliegen... ach, weisst du, von hier oben, ist die welt bestimmt schöner, als da unten, wo du immer rumkriechst....“ nun war er denn doch ein bisschen zu weit gegangen, fand schildkröte. 
   „nun mach mal halblang, du kleiner besserwisser!“ unterbrach er ihn. du hast vielleicht eine bessere aussicht, hast sogar die übersicht von dort oben, aber ich glaube kaum, dass deine welt schöner aussieht als meine..... weisst du, es ist die genau gleiche welt. wir sehen sie bloss anders! deine sicht ist für dich genau richtig und meine für mich! oder, wieso meinst du, dass ich so bin und du so? aber, ich glaube, um dies zu verstehen, bist du noch zu jung?!“ 
   „na, tu nun nicht so beleidigt! ich lebe genau so lange wie du, hat meine mama gesagt! nur geht für mich die zeit schneller rum! aber im grunde ist es doch egal, ob du so bist und ich so... mir jedenfalls wärs langweilig, wenn es hier bloss schmetterlinge gäbe und keine käfer, schildkröten, bäume, steine, blumen und überhaupt nichts anderes!“
   „wahrlich, das hast du gut gesagt, schmetterling.....“ brummelte schildkröte und packte sich die nächste erdbeere, die er mit genuss verzehrte. „und gut, dass meine menschen wissen, was ich mag!!!!!!“

© by dm/Jana

neuanfang - neues jahr...

neu? wirklich wahr? dabei ist es eine alte geschichte, die ich lebe: liebe und hass, krankheit und gesundheit, glück und zeiten der prüfungen sind unsere alltäglichsten und universellsten erfahrungen. polar und sich überall wiederholend, aber doch sind keine zwei gleich, jede ist ein anderer fingerabdruck des lebens. und das ist es, was leben, was wahrnehmen, was schreiben ausmacht: wir verbinden unsere erfahrungen im biologischen sinn mit der schöpfung selbst. und bringen sie nach hause zurück. das leben, das grosse rad, die immer wieder kehrende melodie, aus nur sieben grundtönen komponiert ... wie kann ich da von ‚neu’ reden, von neuem jahr? ist dieses neue doch nur definiert durch unseren kalender? das gefühl von neu ist dennoch da. unerklärliches wunder. wie das schreiben. eine rückverbindung mit der quelle in mir ... plötzlich kommt da frisches wasser statt dem braken von gestern. kalt, erfrischend ... könnten wir noch da sein, würden wir überhaupt noch da sein ohne diese rituellen neuanfänge? oder hätten wir menschen uns längstens verloren ohne diese wunder der rückverbindung, ohne frisches wasser, ohne neue melodien?
   ich tanze. die musik pulsiert in meinem blut. alle gedanken kommen zur ruhe. jeder ton resonniert, vibriert in den zellen ... ordnet, belebt ... der körper fliesst ohne mein dazutun. ich gebe mich diesem klaren fliessen hin und lasse mich tragen ... da ist leben pur in mir ... neu fühle ich mich, erneuert belebt ... so lebendig, wie schon lange nicht mehr ... ich tue mir gut ... ich geniesse es ...
   pause.
   frisches wasser trinke ich und denke. denke an die menschen mit denen ich hier bin, in diesem raum, auf diesem planeten. die einheit und verbundenheit, die ist, die freie wahl, den weg der heilung zu gehen.... traurigkeit mischt sich in mein sattes lebensgefühl. dieser basston meines lebens.... alle farben sind da, wollen gesehen werden ...
   da kommt nora in meinen gedanken. sie hat ein geschwür im unterleib entfernen lassen. ihre kleine tochter ist knapp halbjährig. vielleicht hat nora krebs und wird sterben.
  
da ist melanie, gerade noch neunundzwanzig kilo leicht, schwerst magersüchtig, lehnt dieses leben, dieses frausein ab..... und wird vielleicht sterben.
   da ist elvira, schwer krank, altersbedingt ans haus gebunden, praktisch blind, abhängig von der hilfe des partners, ihr längst erwachsener sohn hat sich das leben genommen.... und sie lebt noch immer, wo sie doch so alt und voller schmerzen ist und vor dem tod keine angst mehr hat, das leben aber kaum mehr erträgt.
   ich sitze einfach da, die musik geschieht ohne mich, die rhytmen sind irgendwo, weit weg. schwere will mich in den boden saugen, meine eigenen probleme schrumpfen in sich zusammen. die energie des leidens dieser vielen menschen lähmt mich.
   der wunsch nach der landschaft diesseits der tränengrenze taugt nicht, erinnert mich hilde domin, auch der wunsch, den blütenfrühling zu halten, der wunsch, verschont zu bleiben, taugt nicht. nein, leben heisst nicht ‚geschont werden’, aber auch nicht leiden. denn leiden brauche ich nicht, es ist zwar da, und ich kann lernen, aber ich bin dazu da, im licht zu gehen.... trotz der schatten ...
   ‚turn your face to the sun and you will not see the shadows’, singt es aus dem lautprecher. ob das die lösung ist? einfach wegzuschauen? oder ist es nicht weg- sondern hinschauen? hinschauen ins licht? und zu merken, dass leben mich immer wieder über neue schwellen fliessen lässt, ....und dass der wunsch taugt, dass die frucht so bunt wie die blüte sei, dass noch die blätter der rose am boden eine leuchtende krone bilden. ich bin froh, dass die gedanken von hilde domin mich berühren und trösten. wie schon oft ...
   und so fliesse ich wieder in die klänge zurück und lasse mich weiterspülen ... im tanz des lebens.

© by dm/Jana

Kontakt unter: jana@elterntreffpunkt-girasol.ch

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